Rolle der Bauherrschaft im Entwurfsprozess

Das Ehepaar Spannbauer führt seinen Betrieb in zwei Teilen: Druckerei- und Reprobereich. Diese zwei sich ergänzenden Strukturen sollten endlich unter einem Dach zusammengefasst werden. Besonders wichtig waren der Bauherrnschaft die speziellen ergonomischen Bedingungen ihrer Mitarbeiter und eine Flexibilität der Flächen, da in der Branche die Auswirkungen der Digitalisierung auf Produktionsabläufe nicht vollständig erahnbar sind. Zu den ergonomischen Besonderheiten gehört auch ein spezifischer Bedarf an Licht für die Beurteilung von Farbtreue an Bildschirmen wie auch Ausgabegeräten. Daher wurden in intensiver Zusammenarbeit in sehr früher Planungsphase anhand von Stockwerksmodellen diverse Zukunftsszenarien simuliert. Entstanden ist der Typus eines modernen Werkhofes: gestapelte Etagen mit frei gestaltbarer Fläche, in der Nutzung gleichberechtigt für intellektuelle und manuelle Arbeit. Das dafür nötige Haustechnikkonzept (siehe unten) stiess auf reges Interesse, verlangte aber auch eine grosse Portion Mut, da auf eine Heizung ganz verzichtet wurde. Zu den Besonderheiten gehört auch, dass Produktionsmaschinen ohne thermische Beeinträchtigungen mitten unter Büroarbeitsplätzen stehen können, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Ein linearer Erschliessungsbereich hinter der Steinmaske dient als vertikaler Hauptplatz dieses kleinen Dorfs, als Kommunikationsfläche und Pausenraum. Durch den Bauherrn angeregt wurde so auch eine Durchwanderbarkeit des Betriebs für Kunden und Besucher möglich, ohne den Produktionsablauf selbst zu stören. Weiters kann das Raumvolumen auch für öffentliche Events dienen, wie auch der Konferenzraum diese Doppelfunktion besitzt. Die umfangreiche Kunstsammlung der Besitzer findet hier adäquaten Flächen. Während die Arbeitsplätze möglichst ohne Licht beziehungsweise Lichtreflexionen konzipiert wurden, ist dieser öffentliche Bereich hell und freundlich. Aus dem gleichen Grund sind die Fenster zum Innenhof mit 80cm tiefen mattschwarzen Laibungen ausgestattet, um maximalen Ausblick bei geringstmöglicher Reflexion zu erhalten.

Für die Flexibilität ausschlaggebend ist der mögliche Zugang zur Produktions/Bürofläche in jeder Gebäudeachse. Besonderen Wert legte der Bauherr auf wartungsfreie und zeitlose Materialoberflächen, so entstand ein Mix aus musealem Naturstein und industriellen Betonflächen. Die Kommunikation mit der Bauherrnschaft war intensiv und direkt wie bei der Planung eines Privathauses, sonst einem Kerngebiet von archiguards, die Einbeziehung der Mitarbeiter und Auseinandersetzung mit neuen Lösungsansätzen sehr produktiv. Die Detaillierung ging bis zur Konzeption von Grafik und interaktiven Lichtlösungen.

Die Interaktion Intern - Öffentlichkeit findet auf Strassenebene statt: Eingang, Tiefgarageneinfahrt, Empfang, Lieferrampe, als optimierte Schnittstellen von der Strasse zurückgesetzt für grösseren Bewegungsspielraum.

Die städtebauliche Komponente: die Feuermauern des Zwischenraums der Baulücke werden steinverkleidet, dazwischen schiebt sich das neue Gebäude hinter dem weissen Schutzschild hinein, oben und unten von weiteren Ebenen begleitet: der betonten Bodenplatte und dem Flugdach. Die fünf Scheiben gleichen den Bestandteilen einer vorher zusammengesetzten Gebäudeschachtel, jedoch aufgesprengt. Die sechste Platte an der Rückfassade fehlt jedoch: hier atmet das Gebäude durch unzählige Einzelöffnungen, hier wärmt sich das Innenleben durch transparente Wärmedämmung. Das Dachgeschoss, zurückgesetzt als unabhängige Denkwerkstadt, abgeschirmt von der Strasse, abgeschirmt vom Treiben der "Mensch-Computer-Produktion" Maschine darunter.

Entwurfsmotiv:

Aus dem Erdreich ragt ein dunkler, amorpher Baukörper die Druckerei. Darauf stapeln sich (in der 30m langen Baulücke) die Büroebenen als offenes Regal errichtet. Eine helle, schwebende, steinverkleidete Scheibe filtert die Aussenwelt zum Inneren des Gebäudes. Ebenfalls im gleichen Stein verkleidet sind die Feuermauern, die im Prinzip eine Lücke schaffen, in die sich das neue Gebäude drängt. Der Dachflügel schirmt die beiden obersten, zurückgesetzten Geschofle des Loftregals ab. Auf dem Gründach im Hof dient ein eigenständiger Baukörper aus Holz als Rückzugs- und Konferenzbereich.

Anordnung der Baukörper

Im wesentlichen gliedert sich das Projekt in den erdgeschossig situierten Produktionsbereich, der beinahe die gesamte zulässige bebaubare Fläche der Bauklasse I ausnützt, sowie in die darüberliegenden Grossraumbüros 1.OG-4.OG (für die Edv-mässige Verarbeitung der Bilddaten). Diese Büros werden von der Strasse durch einen vorgelagerten Erschliessungsgang abgeschirmt, der zudem als Kommunikationszone dient. Zur Hofseite hin sind diese Büros mit französischen, öffenbaren Fenster ausgestattet. Sanitär- und Technikräume sind seitlich angeordnet um eine flexible Einteilung der Büroflächen zu gewährleisten. Teeküchen und Besprechungsräume sind ebenfalls ausserhalb dieser Zone zur Strasse hin ausgerichtet. Hofseitig angeschlossen befindet sich im 1.OG auf dem Gründach der Druckerei der formal eigenständige Baukörper des Konferenzraums. Das Dachgeschoss ist abgetreppt entlang der beiden Bauklassen III und IV sowie von der Hauptfassade zurückgesetzt.

Konstruktion + Fassaden

Das Gebäude ist durchgehend als Stahlbetonkonstruktion konzipiert, wobei Stützen (lotrecht, bzw. A und V förmig) und aussteifende Scheiben das Traggerüst der unterzugsfreien Deckenplatten bilden. Die schildartige Strassenfassade, eine auf den 2,8m auskragenden Betondecken hängende Stahlkonstruktion ist außen mit verdeckt montierten Kalksteinplatten verkleidet. Fugenteilung und die eingeschnittenen Fenster rhythmisieren die scheinbar schwebende Fläche. Dazu springen die Glasflächen an den beiden Feuermauern des Gebäudes sowie die Flächen im Erd- bzw. Dachgeschoss zurück. In dieser Form nimmt die an der Bauflucht gelegene Strassenfassade Höhen der umliegenden Gebäude auf. Die hofseitige Lochfassade ist aus 20cm STB-Mauerwerk gebaut; mit statisch aussteifender und thermisch speichernder Auswirkung. In dieser verputzten Ansicht sind Felder aus transluzenter Wärmedämmung eingegliedert. Der kristallin geformte Konferenzraum am Hofdach ist aus massivem, kreuzverleimten Holzplatten konstruiert. Derart eingesetzt erfüllt das Material statische, thermische und optische Anforderungen. Das Flugdach des Dachgeschosses ist als Pendant der "schwebenden" Steinplatte und der seitlich sichtbaren Feuermauern in einer weissen Stahl- Aluminiumkonstruktion ausgeführt und dient als Sonnenschutz für die Glasfassade des Dachgeschosses.

Klimakonzept

Die 3 Hauptgeschosse (1. 3. OG) mit ihren Grossraum Büroflächen werden über eine kontrollierte Zuluft Abluft Steuerung versorgt, deren Betriebseinheit auf dem Dach des Hauptbaukörpers sitzt. Die Luft wird über den Doppelboden der Büroflächen eingeblasen und in der vorgelagerten Erschliessungszone abgesaugt und einer Wärmerückgewinnung zugeführt. An dieses System angeschlossen ist ein System aus Fancoils an der Hoffassade, in Tischlerkonstruktionen integriert. Auch in den Wintermonaten kommt das Gebäude ohne Heizung aus. Die Abwärme der Druckmaschinen sowie der Serveranlagen wird über die Wärmepumpe in den Energiekreislauf des Bauwerks rückgeführt. Die Hoffassade mit transluzenten Wärmedämmelementen sorgt in Kombination mit der hohen Speichermasse des Gebäudes für ein ausgeglichenes Klima.

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